Exemplarisch soll hier an einem mehrgeschossigen Wohngebäude aus dem Jahre 1889 in Blockrandbebauung die Effektivität einer typischen Energieberatung und der daraus resultierenden Sanierungsaufgaben erläutert werden.
Funktion des Gebäudes
Das zu untersuchende Gebäude hat eine kleine erdgeschossige Gewerbeeinheit und eine typische Tordurchfahrt ins Blockinnere. Hier befindet sich auch ein erdgeschossiger Gewerbeanbau, der momentan leer steht aber als Bestandteil des beheizten Gebäudevolumens mit zu untersuchen war. Über ein einseitig angeordnetes Treppenhaus wird jeweils eine Wohnung im I.-III. OG erschlossen. Das Dachgeschoss ist vollflächig zu einer weiteren Wohnung ausgebaut. Die 4 Wohnungen und die Gewerbeeinheit haben zusammen eine Wohn- und Nutzfläche von 410qm. Das Gebäude ist mit Ausnahme der Tordurchfahrt unterkellert.
Hüllflächen des Hauses
Die Hüllfläche des Ost-West orientierten Gebäudes beschränkt sich im Wesentlichen auf die straßenseitige Schmuckfassade, die sehr nüchterne Hoffassade, sowie Dach- und Kellerdeckenflächen, da es sich als Mittelreihenhaus zwischen ein höheres und ein niedrigeres Nachbargebäude einfügt.
Die historischen Fenster wurden bereits durch Kunststoff- bzw. Holzfenster mit Isolierverglasung ersetzt. Die hofseitige Fassade ist mit einem schadhaften ca. 5 cm starken WDVS (WärmeDämmVerbundSystem) verkleidet, das Dach im Zuge des Ausbaus geringfügig gedämmt (Annahme: 6cm WLG 045).
Primärenergiebedarf
Im momentanen Zustand weist das Gebäude trotz der günstigen Situation als Mittelreihenhaus (geringe Hüllflächen) auch auf Grund der Ausstattung mit Nachtspeicherheizung einen Primärenergiebedarf von 362 kWh/m²a auf.
Energieberatung
In unserer Energieberatung sind wir wie folgt vorgegangen:
- Optimierung des s.g. A/V-Verhältnisses also des Verhältnisses der Hüllflächen zu seinem umschlossenen Volumen. D.h. Abbruch des ungenutzten hofseitigen Gewerbeanbaus sowie Aufstockung des Gebäudes um ein weiteres Vollgeschoss.
- Energetische Optimierung der Hüllflächen. Die straßenseitige Schmuckfassade und die darin befindlichen Fenster bleiben unangetastet. Von einer Innendämmung haben wir Abstand genommen, da die ggf. hiermit verbundenen bauphysikalischen Probleme in keinem vertretbaren Verhältnis zum Energieeinsparnutzen stehen. Der Einbau energetisch hochwertiger Fenster in eine ungedämmte Außenwand birgt ebenfalls bauphysikalische und somit hygienische Gefahren. Das schadhafte rückwärtige WDVS wird durch ein 20cm WDVS der WLG 032, die darin befindlichen Fenster durch 3-fach verglaste Passivhauskomponenten ersetzt. Gleichzeitig werden Fenster zu Balkonaustritten vergrößert und freistehende Balkone zur Aufwertung des Wohnkomforts vorgeschlagen. Die Kellerdecken werden in Bereichen mit niedrigen Stehhöhen z.T. mit VIP (VakuumIsolationsPaneelen) oder herkömmlich gedämmt. Durch die Aufstockung eines Vollgeschosses und die Neuausbildung des Dachvolumens können hier trotz erheblich größeren Fensterflächenanteilen hochwertige Hüllflächen den Gesamtenergieverbrauch des Gebäudes maßgeblich reduzieren. Durch die hier beschriebenen Optimierungen kann die Heizlast des jetzt 5-geschossigen Gebäudes von 35 kW auf 25 kW für das 6-geschossige Gebäude reduziert werden.
- Der verbleibende Energieeintrag für Heizung und zentrale Brauchwassererwärmung soll zukünftig durch eine Pelletheizung und eine Solarthermieanlage gewährleistet werden. Der Primärenergiebedarf reduziert sich somit auf 24 kWh/m²a.
Ergebnis der Energieberatung
Der Primärenergiebedarf reduziert sich von 362 auf 24 kWh/m²a! Das bedeutet einen Faktor 15! Diese enorme Energieeinsparung wird im Wesentlichen durch ein ganzheitliches Gebäudekonzept erzielt. Maßnahmen die sowieso geplant (Aufstockung, Einbau einer Zentralheizung) oder bautechnisch notwendig sind (schadhaftes WDVS), Maßnahmen die den Wohnkomfort steigern (Aufwertung des Hofes durch Abbruch einer ungenutzten Gewerbefläche, Anbau von Balkonen, zweigeschossige Penthousewohnung) sowie bewussten Erhalt von nur aufwendig zu sanierenden Bauteilen, führen zu einer ökologisch richtigen und wirtschaftlich rentablen Sanierung im Interesse des Eigentümers, der Mieter und der Umwelt.
Eingetragen am: Donnerstag, 21. Dezember 2006 | Kategorie: Beratung.